WM Berlin

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Die Geschichte ist eigentlich schnell erzählt. In Topform ging ich an den Start, noch nie konnte ich im Vorfeld Tempoläufe oder auch 40km in solchen Qualitäten laufen wie beispielsweise in Sankt Moritz.

Das einzige Problem trat bei der Vattenfall Citynacht vor 3 Wochen auf. Bei km 8 bekam ich extreme Seitenstiche und musste sogar während des Rennens anhalten. Die gleichen Probleme hatte ich in diesem Jahr auch schon im Frühjahr in Lissabon, in Düsseldorf ab der Hälfte und in den letzten 3 Wochen auch im Training. Ich war schon mehrfach beim Osteopathen und man sagte mir, dass das ein Problem mit der Leber bzw. Galle sei. Diese Organe schwellen an und drücken oder ziehen an den Bändern, die auch am Zwerchfell hängen. Was es für die Atmung bedeutet, wenn das Zwerchfell nicht richtig arbeiten kann, ist sicher klar. Ich ließ mir das Ganze mehrfach behandeln doch so schlimm wie gestern war es noch nie.

Bei km 5 ging es dieses Mal los und ich konnte mit Atemübungen noch ein wenig dagegen ankommen. Ich versuchte zu entspannen und alles ein wenig zu entlasten aber die Probleme wurden eher schliimmer, als besser. Ich konnte immer nur ein mittelschnelles Tempo einschlagen um wenigstens einigermaßen atmen zu können. Sobald die Atmung etwas höher war, krampfte sich meine ganze rechte Seite zusammen. Bei jedem anderen Rennen wär ich wahrscheinlich längst ausgestiegen, weil unter diesen Umständen einfach kein normales Laufen möglich ist. Doch ich war der dritte Läufer für Deutschland, der zählt eben für den Weltcup und die Kollegen läßt man nicht hängen.

Ich machs kurz, 37km lang war es die Hölle mit solchen Leberstichen zu laufen und anzusehen wie 1 Jahr Arbeit und 14 Wochen Trainingslager einfach so durch die Hände gleiten. Circa 10mal mußte ich zwischendurch anhalten weil die schmerzenden Krämpfe zu stark waren und nur die Mannschaft und die Zuschauer an der Strecke ließen mich weiterlaufen. Es gibt wirklich schönere Momente, als mit meinem Nachnamen auf der Brust am Ende des Feldes (ca. 9min langsamer als meine Bestzeit) zu traben und nicht schneller zu können.

Beeindruckend waren die Zuschauer für mich. Obwohl ich so weit abgeschlagen war, war die Unterstützung einfach unglaublich. Auf den letzten zwei Kilometern, Unter den Linden, schaute ich dann nochmal bewusst in die Gesichter an der Strecke und sah die Begeisterung der Leute. Erst dort merkte ich, dass es sich gelohnt hat, trotzdem weiter zu laufen. Ich habe versucht, wenigstens die letzten Momente der Strecke aufzusaugen und vielleicht kann ich davon auch ein wenig ins nächste Winertrainng mitnehmen. Es tut mir leid, dass ich nicht mehr zeigen konnte aber manchmal spielt der Körper einfach nicht mit. In den nächsten Tagen werde ich auf jeden Fall mal den Artz aufsuchen müssen, um dieser Sache mal auf den Grund zu gehen.

Im Moment bin ich aber erstmal einfach niedergeschlagen, so eine Chance zu Hause wird es sicher nie wie geben... aber irgendwie bin ich auch ein wenig stolz. Danke für für die Unterstützung an der Strecke, an den Fernsehern, an meine Sponsoren, an Verena, meinen Vater und auch an meine Mutter, Andre und Martin, die 14 Wochen lang die Arbeit im Büro zu tragen hatten, die mein Vater liegen ließ, als er mit mir im Trainingslager war.

Ich werde versuchen, bald wieder aufzustehen...